Tokyo Teil 3
Wednesday, 14 October 2009 16:01

 Nach ein paar Tagen Akklimatisierung und allgemeinen Kennen lernen, war es endlich soweit. Die Spiele sind eröffnet. Kurz zuvor geschlossenen Freundschaften wurden über Bord geworfen, jeder war jetzt jedermanns Gegner, man beäugte sich kritisch. Nein natürlich ging es nicht so ernst zu. Es blieb alles beim alten die Stimmung war ausgelassen. Montag Abend ging es dann endlich los. Um 23 Uhr fiel der Startschuss zum ersten Bewerb, es sollte gleich mein erfolgreichster werden. Das „YOKOHAMA CLASSIC“ Grid race wurde ganz in der nähe des Camps ausgetragen.

Bei einem Grid Race handelt es sich um ein Rundenrennen, wobei jeweils die letzten in jeder Runde ausscheiden. Gefahren wird um einen nicht abgesperrten Straßenblock (Grid von Schachbrettmuster), die Besonderheit in Japan, links herum. Gestartet wurde mit Massenstart aller 300 qualifizierten Starter, trotz meiner schlechten Startposition in der dritten Reihe und des allgemeinen Chaos am Start konnte ich mich noch vor der ersten Kurve gemeinsam mit „Robot“ aus Bosten in der Spitzengruppe festsetzen. Nach der ersten Runde formierte sich die Spitzengruppe mit Robot, zwei Australiern, einem Schweizer, den Jungs, sechs an der Zahl, aus Yokohama, die wollten sich bei ihrem „Heimspiel“ natürlich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und mir. Gefahren wurde hart und es wurden keine Millimeter verschenkt, was sich an den unzähligen „Fuck“s und „Watch out“s sowie an den ungezählten „metallischen“ Geräschen, die entstehen wenn sich Pedale, Felgen, Rahmen und Köpfe und Ellenbogen „berühren“ (aneinander schlagen, wohl eher),auch akustisch manifestierte.

Der Kurs bestand aus 4 extrem engen 90° Kurven mit 30cm Hohen Randsteinen, was natürlich potentiell Problematisch ist wenn 11 „Racer“ auf Fixies sich einer solchen nähern, wobei ein jeder versucht die engste bzw. die schnellste (beim Fixie nicht immer das gleiche) Linie zu finden, nebenbei muss auch noch auf den Verkehr „geachtet“ werden. Das alles ging gut bis zur Kurve 3 in Runde 3. Es ist natürlich im Nachhinein schwierig genau zu sagen was passiert ist. Auf alle Fälle weiß ich noch, das ich von beiden Seiten gerempelt wurde, mich aber gegen beide Behauptete, mein linker Kontrahent scherte aus und ich lehnte mich ins leere. In dem Moment stürzte nicht mal eine Hinterradlänge vor mir mein australischer Freund mit dem Holzfällerhemd. Da ich sowieso schon, ungewollt zwar, Richtung links unterwegs war um selbst nicht zu stürzen, verfehlte ich seinen Kopf nur um Haaresbreite. Wobei wir wieder bei den Geräuschen wären, die man hinter sich hört wenn ein Rad, ein Kopf und ein Körper am japanischen Asphalt aufschlagen...

Nach einigen Augenblicken Unruhe und nervösen Blicken besann sich die Gruppe wieder aufs Rennen fahren, im Start/Ziel wurde im vorbei rasen noch schnell „man down“ geschrien, und wir fuhren spürbar vorsichtiger weiter. Diese Fahrweise rächte sich Minuten später auch schon. Unsere Gruppe hatte einen komfortablen Vorsprung verspielt und von hinten schloss eine dreier Gruppe zu uns auf. Der Rest der Starter aber war längst weit abgeschlagen. Es lief also alles auf einen Zielsprint zwischen uns 11 hinaus. Die die sich ihrer Überlegenheit im Sprint nicht so sicher waren, dazu zähle auch ich, mussten nun versuchen das Tempo so hoch wie möglich zu halten um all die anderen zu zermürben und müde zu machen. Tatsächlich zeigte das hohe Tempo Wirkung und das Feld zeigte Auflösungserscheinungen, als erstes mussten die Yokohama-Jungs dran glauben, danach der Eidgenosse. 5 Runden vor Schluss musste auch ich daran glauben, durch einen Fahrfehler, indem ich die Kurve zu eng ansteuerte und dann in den Gegenverkehr musste, verlor ich vielleicht 5 m, konnte mich aber ohne Windschattenunterstützung alleine gegen 6 nicht mehr heran kämpfen und verlor zusehends den Anschluss. Die zuvor abgesprengten Fahrer haben sich hinter mir wieder zu einer Gruppe geschlossen und so kämpfte ich alleine gegen die Spitze meine Verfolger und die steife Brise die vom Meer herein wehte.

Dann die dramatische letzte Runde. Ich war am am Ende meiner Kräfte von hinten kam die Spitzengruppe bedrohlich nahe, meine Verfolger wurden bereits überrundet und schieden dadurch automatisch aus. Nun kämpfte ich nur noch gegen die Überrundung und so hab ich gar nicht mitbekommen, das der letzte verbliebene der Yokohama-Jungs in der ersten Kurve stürzte. In der zweiten Kurve war mir die Spitzengruppe schon so nah, das ich deren Atem schon spüren konnte, keine 5 m hinter mir schossen sie aus der Kurve, in meinem Augenwinkel sah ich wie plötzlich Brain, der zweite Australier, über beide Fahrstreifen schoss und im Gebüsch verschwand, spätere Diagnose: Schlüsselbeinbruch, ich nutzte die kurze Verwirrtheit im verbliebenen Spitzenfeld und startete meine Flucht nach vorne. Erfolgreich. Ich beendete das Rennen in der gleichen Runde wie der Sieger, frenetisch gefeiert von den Jungs aus Philly, und „erbte“ den 5ten Platz von den zwei Bruchpiloten der letzten Runde. Im Camp wurde meine Leistung sehr gewürdigt und als extrem hoch eingestuft. Gleiche Runde wie der Sieger, Robot übrigens, 5ter Platz als Rookie bei der WM und das beim ersten Grid race das ich überhaupt gefahren bin. Anfangs enttäuscht über meinen blöden Fahrfehler, konnte ich ziemlich zufrieden sein mit dem ersten Tag der WM.

 Yokohama-Classic Spokescard

 

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