Tokyo Teil 6 - Main Race
Saturday, 07 November 2009 13:09

 Der erste Tag des Main Race begann für mich im Camp mit einem ausgiebigen Frühstück und der ersten (und einzigen) dusche für mich in Japan. Danach bastelte ich mir mit reichlich Klebeband eine Halterung um die Karte des Race course auf meinem Lenker zu befestigen. Dann radelte ich alleine zum Renngelände, vorbei am Tokyo Big Sight, dem riesigen Riesenrad und weiteren beeindruckenden Gebäuden, das spektakulärste war mit Sicherheit das Gebäude einer Fernsehstation das zwar irgendwie nur halbfertig wirkte aber dennoch oder gerade Deshalb beeindruckte.

 Tokyo Big Sight  

Direkt davor war bereits ein vierspuriger Boulevard abgesperrt um dort das Rennen auszutragen. Die gesperrte Straße verband zwei riesige Parkplätze miteinander die den Race Course  komplettierten. Bei der Besichtigung stellte sich der Kurs wirklich alles andere als Fixie-freundlich heraus. Engste 180° Kurven, 30cm Randsteine, kurze Geraden. Der Kurs hatte es wirklich in sich die längste Gerade endete direkt an den Stufen, und eine falsche Abzweigung zwang einen eine ganze extra Runde einzulegen. Um Punkt 12 wurde der Kurs für 4 Stunden geöffnet um sich zu qualifizieren. Der Vorjahresweltmeister knallte gleich eine Zeit von 34min hin und zeigte allen das der Titel heuer wieder nur über ihn führen wird. Ich versuchte meinen Quali Lauf so zu timen das ich möglichst wenig Verkehr habe, was natürlich jeder versuchte und so blieb es reine Glückssache wieviel Verkehr man dann Tatsächlich hatte. Ich hatte eher weniger Glück und verschwendete bei dem ein oder anderen Stopp wertvolle Minuten im Verkehr und in Warteschlangen. Doch ich fühlte mich gut und machte ordentlich Druck auf den (kurzen) Geraden, und meine Route war auch ganz ordentlich geplant, aber ich weiß ja sowieso das bei mir alles von meinen Beinen abhängt und weniger von meinem Kopf. Meinem hohen Tempo fiel ich aber zum Opfer als ich nach der bereits erwähnten langen Geraden nicht mehr rechtzeitig Bremsen konnte und kopfüber auf die Stufen donnerte. Die Zuseher die sich reichlich an dieser Stelle aufhielten waren entsetzt über diesen Sturz umso mehr als ich mich aufrappelte und weiter fuhr. Meine Quali-Zeit: Ich erledigte alle 12 Aufträge in 48min. Ich war zuversichtlich weiter zu sein. Aber es gab ein kleines Ärgerniss, in der Eile wurde mir eine Empfangsbestätigung beim Unterschreiben von ein Sekretärin zerrissen, ich versuchte ihr zu erklären sie möge den Offiziellen melden das Sie es war die den Zettel zerissen hat und nicht ich, doch es half nichts da sie kein Wort englisch sprach. So wurde ich nachträglich und trotz flehentlicher Erklärungen meinerseits von den gestrengen Offiziellen aufgrund des zerissenen Zettels disqualifiziert. Das ganze war umso bitterer als ich am nächsten Tag erfuhr das der Cut für das erreichen des Finales bei 53min lag. Mir also die Chance geraubt wurde im Finale um den Titel mit zu fahren. Aber es half alles nichts und so blieb mir nichts anderes übrig als das Finale am nächsten Tag als Zuschauer zu erleben. 

Fernsehstation im Hintergrund des Gruppenfotos 

Der nächste Tag war dennoch nicht frei von Renneinsätzen für mich, nach dem Main Race Finale, stand noch die Königsklasse - die Sprits – auf dem Programm. Ich halte mich persönlich ja eigentlich für einen mäßigen Sprinter aber nach den Erfolgen bei der ÖM traute ich mir zumindest zu, eine Runde weiter zu kommen. Gesprintet wurde in 5er Gruppen über 400m wobei jeweils nur der Sieger weiter kam. Die ersten paar Runden überstand ich spielend, was aber wohl sehr viel Glück in der Auslosung geschuldet war. Nichtsdestoweniger erreichte ich das Halbfinale, nach einem kurzen Blick auf meine Gegner war ich zuversichtlich auch diesen Sprint gewinnen zu können. Doch es sollte anders kommen, ich hatte einen großartigen Start und bereits eine halbe Reifenlänge Vorsprung (!!! nach nur einem Tritt), doch dann passierte das unfassbare, bereits wie der sichere Sieger aussehend rutschte ich aus dem Pedal und konnte nur mit Mühe einen Sturz verhindern, dennoch kämpfte ich ich nach dem ich mich wieder gefangen hatte nochmals heran und wurde nur knapp 2ter. Das Publikum feierte mich als heimlichen Sieger, doch das Finale fand ohne mich statt. Natürlich war ich danach schwer Enttäuscht, aber mit einiger Distanz betrachtet ist ein Platz irgendwo zwischen 6 und 11 ( die Plätze wurden nicht ausgefahren) bei der WM ganz passabel. 

Nach den Sprints gings zur Party nach Shibuya, wo ich bis quasi gezwungen war durch zu feiern da ich für die letzte Nacht kein Quartier mehr hatte. Nach der Siegesehrung lichtete sich die Party aber zusehends und so schlief ich in der nähe auf den Treppen vor einer großen Bank, zusammen mit 30 anderen Boten übrigens als die Sonne hervor kam, wechselte ich für ein paar weiter Stunden in einen Park und schlief dort. Als mein Wecker läutete machte ich mich auf zu meinem Zug den ich bereits Tags zuvor gebucht hatte und dann weiter zum Flughafen. Auf dem Heimflug machte ich mich bei den 3 Reihen vor und hinter mir ziemlich unbeliebt weil ich so furchtbar gestunken habe.

 

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